Macht und Gewalt über den weiblichen Körper: Soziale und medizinische Praktiken des Gebärens (2011-2014)

Wissenschaftliche Mitarbeiterin des LBI EGÖ: Muriel Blaive (Wien)

Das Projekt hat zum Ziel, den Akt der Geburt als Fallstudie über Herrschaftspraktiken im Kommunismus heranzuziehen. Auf der Grundlage von Oral History-Interviews sowie Archiv-und Literaturrecherchen wird versucht, die Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen der Frau (ihrem Kind, ihrem Partner, ihrer Familie) und dem Staat (Entscheidungsträger, Ärzte, Hebammen, sonstiges medizinisches Personal) zu skizzieren, hauptsächlich innerhalb der medizinischen Einrichtungen der gynäkologischen / geburtshilflichen Praxen und den Geburtskliniken. Durch die Vergleiche mit einem anderen mitteleuropäischen, aber nicht kommunistischen Land (Österreich) und einem westeuropäischen, nicht kommunistischen Land (Frankreich), und durch die gleichzeitige Ausweitung der Untersuchung auf das post-kommunistische Tschechien, wird diese Studie versuchen, festzustellen, ob es einen bestimmten kommunistischen Zugang zu Geschlecht, Körper, medizinischer Praxis und Fortpflanzung gab. Zudem wird sie zur Alltagsgeschichte in der kommunistischen Tschechoslowakei und im post-kommunistischen Tschechien beitragen.

Dieses Projekt wird innerhalb des Netzwerks 'Physische Gewalt und staatliche Legitimation im Spät-Sozialismus' in Zusammenarbeit mit dem ZZF Potsdam durchgeführt.

Das internationale Forschungsnetzwerk "Physische Gewalt und staatliche Legitimation im Spät-Sozialismus" vernetzt Postdoc-Forscher und Doktoranden aus verschiedenen Ländern Ostmittel-und Südosteuropas und wird großzügig von der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) in Deutschland finanziert. Die Koordination erfolgt durch das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), zusammen mit dem Institut für Südosteuropäische Geschichte in Regensburg (Prof. Ulf Brunnbauer), das Ludwig-Boltzmann-Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit in Wien (Dr. Muriel Blaive) und dem Lehrstuhl für vergleichende und transnationale Geschichte am European University Institute in Florenz (Prof. Pavel Kolář).
 

Die Forschungsagenda des Netzwerks beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen körperlicher Gewalt und der gesellschaftlichen Desintegration in Ostmittel-und Südosteuropa und der ehemaligen Sowjetunion während der post-stalinistischen Periode des Kommunismus. Weitere Informationen finden Sie unter www.physicalviolence.eu.