LBI für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit

Welche grundsätzlichen Überlegungen sind bestimmend dafür, wie europäische Geschichte beforscht und geschrieben wird?

Können wir uns noch auf die bekannten nationalen Narrative vergangener Generationen verlassen, wenn wir das heutige Europa und seinen Platz in einer globalisierten Welt verstehen wollen?

Dies sind nur zwei der Leitfragen, die für die Aktivitäten des Ludwig Boltzmann Instituts für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit (LBI EGÖ) bestimmend sind. Das Institut ist dem Ziel einer multiperspektivischen, transnationalen Geschichtsschreibung verpflichtet und liefert dazu empirische, quellenbasierte, interdisziplinäre Forschungsprojekte.

Seit Jänner 2009 wird das Institut von Professor Dr. Thomas Lindenberger geleitet. Es wurde 2005 von seinem ersten Leiter, Prof. Dr. Oliver Rathkolb, dem in Wien ansässigen Demokratiezentrum und von einer Reihe weiterer internationaler Partnerinstitutionen gegründet (siehe Archiv). Mittlerweile basiert das Institut auf einer vertraglich vereinbarten Zusammenarbeit zwischen der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, der schwedischen Universität Malmö, der J. Selye-Universität in Komárno (Slowakei) und der Babeş-Bolyai-Universität in Cluj-Napoca (Rumänien). Zu den weiteren Partnern, mit denen das LBI EGÖ eng zusammenarbeitet, gehört das ZZF (Zentrum für Zeithistorische Forschung) Potsdam und das SOI (Südost-Institut) in Regensburg.

Forschungsprogramm

In den zwei Jahrzehnten seit dem Ende des Kalten Krieges und seit der Überwindung der Teilung Europas ist ein zunehmendes Interesse zu verzeichnen an neuen Wegen zur Erforschung und Darstellung der europäischen Zeitgeschichte. Das Forschungsprogramm des Instituts basiert auf der Prämisse, dass es gilt, eine teleologische und oft genug unkritische Betrachtungsweise zu vermeiden, in der “Europäische Geschichte” gleichgesetzt wird mit einer Geschichte der EU und ihrer Institutionenbildung. Innerhalb der Forschungsvorhaben erhalten die konkreten Settings der Akteure auf der Mikro- und Mesoebene (Bottom-up-Ansatz) Priorität vor abstrakten und unpersönlichen Strukturen auf der Makroebene (Top-down-Ansatz).

Die Hauptgebiete der Forschung des LBI EGÖ sind u.a.:

Die Zeit des Kommunismus und des Postkommunismus in Mitteleuropa

Migration und Gedächtnis

Europäische Kulturen des Kalten Krieges in Europa: Medien und Gedächtnis vor und nach 1989