Politische Ikonographie und Europäisches Bildgedächtnis, 2007 bis 2009

Das abgeschlossene Projekt kann unter "Europäisches politisches Bildgedächtnis" unter http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis.html eingesehen werden.
 

Das Hauptinteresse dieses Forschungsfeldes ist die Verbindung zwischen Ikonen und Ikonographien und europäischen Identitäts-Diskursen. Das ist ein zentrales Forschungsfeld, umso mehr als bislang der visuelle Aspekt von der politischen Kommunikationsforschung zumeist ignoriert wurde. Aber "Abu Ghraib" und "9/11" haben uns daran erinnert, dass Bilder immer schon hoch wirksame politische Instrumente waren.

Auf Grund der Abwesenheit einer tief verwurzelten Tradition der Bild-Analyse in den politischen Wissenschaften hat sich die Analyse politischer Bilder auf die Methoden und Expertisen der Bildwissenschaften, wie Kunstgeschichte, Medienwissenschaften und in einem gewissen Ausmaß auch auf die Historiographie, zu stützen.

Die Politikwissenschaft muss daher nicht ganz von vorne beginnen; aber sie ist dazu aufgefordert, von den anderen, visuell kompetenteren Disziplinen zu lernen.

Ikone, ein Schlüsselbegriff innerhalb des Untersuchungsfeldes, stammt vom griechischen Wort "eikon", was soviel wie "Bildnis" oder "Abbild" bedeutet. Heute wird der Begriff "Ikone" freilich in säkularen Kontexten verwendet. David D. Perlmutter meint, dass "the first major criterion for justifiably calling a picture an icon is its fame." Das heißt, politische Ikonen sind berühmte politische Bilder. In einem ersten Forschungsschritt wurde die Ikonographie des Kalten Krieges dazu benutzt diese Fragen empirisch zu beantworten. Seit August 1961 war die Berliner Mauer als das weltweit klassische Beispiel der europäischen Ikonographie des Kalten Krieges bekannt.

Während es einen umfassenden Korpus von Literatur zur "Berliner Mauer" als historisches und politisches Phänomen gibt, existiert bislang nicht sehr viel, dass die "Mauer" in den Begriffen der politischen Ikonographie, der visuellen Politik, oder der visuellen Erinnerungspolitik thematisiert. Das ist der Grund, warum das Forschungsfeld die Metamorphose der "Berliner Mauer" in eine politische Ikone entlang einer Vielzahl von verschiedenen Aspekten, darunter Dokumentarfilmen aus den 60er Jahren und Photojournalismus aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts analysierte.

In einem zweiten Forschungsschritt  geht es um die Funktion visueller Kommunikation für das politische Europa-Projekt. Im Fokus stehen Bildmotive, die Schlüsselpositionen in öffentlichen Diskursen über zentrale europäische Geschichtsbilder in der Gegenwart besetzen. Die Bilder (Bildmotive) werden in den (audio)visuellen Massenmedien über Jahrzehnte hinweg in unterschiedlichen Medien und Formaten immer wieder reproduziert und wirken im Rahmen nationaler wie auch transnationaler Erinnerungskulturen. Gerade durch die ständige Zitierung und Wiederholung werden bestimmte Bilder zu Sinnbildern aufgeladen, werden zu Ikonen. Der Zugang über visuelle Sinnbilder bzw. Ikonen ermöglicht es, die (visuelle) Konstruktion Europas als Erinnerungslandschaft – und damit das Europäische Bildgedächtnis - besser begreifen zu lernen.