Kalter Krieg und Europäische Öffentlichkeit, 2005 bis 2009

Die Emergenz einer europäischen Öffentlichkeit lässt sich daran messen, inwieweit gemeinsam geteilte Aufmerksamkeits- und Relevanzstrukturen zwischen den nationalen massenmedialen Arenen vorhanden sind. Daher untersucht das fög in Zürich die Synchronität und Intensität der Berichterstattung, sowie Konvergenzen und Divergenzen der Deutungen und der Sprecher in den unterschiedlichen Arenen.

Ob diese öffentliche Kommunikation identifikative Bezüge nach sich zieht, wird mit Hilfe von verschiedenen Indikatoren gemessen. Äußerungen, die den Geltungsanspruch erheben, sich auf ein gemeinsames "Wir" nationaler, transnationaler oder internationaler Herkunft zu beziehen, werden genauso erfasst wie die Wahrnehmung und die Bewertung des "Anderen".

Im Rahmen des Projekts "European Public Spheres and Identities" untersucht das fög die Qualitäts- und Boulevard-Zeitungen der Schweiz (NZZ, Tagesanzeiger, Blick), Frankreichs (Le Figaro, Le Monde), Österreichs (Die Presse, Arbeiterzeitung, Der Standard), der Bundesrepublik Deutschland (FAZ, Süddeutsche Zeitung, Bild), der DDR (Neues Deutschland), Großbritanniens (Times, Guardian, Daily Mirror) und Ungarns (Magyar Nemzet, Népszabadság), wobei sich das fög auf folgende Schlüsselkommunikationsereignisse konzentriert: Ungarn-Aufstand (1956), Sputnik-Schock (1957), Bau der Mauer (1961), Kubakrise (1962), Prager Frühling (1968), Jom Kippur-Krieg (1973), Falklandkrieg (1982), Golfkrieg I (1980), Golfkrieg II (1991), Bosnien-Krieg (1995), Kosovo-Krieg (1999), Golfkrieg III (2003); Gründung Montanunion (1951), Gründung EWG (1957), Erweiterung mit Großbritannien (1973), Binnenmarkt (1985), Maastricht (1992), Türkei-Debatte (2004), EU-Verfassungskrise (2005).

Mit Hilfe der Medienanalyse stellt das Forschungsfeld eine neue Datengrundlage zur Verfügung, die der Interpretation von Forschungsresultaten aus allen Forschungsfeldern dient. Unser Beitrag im Rahmen des LBI-EGÖ-Forschungsprogramms ist die Konzeptionalisierung und Durchführung der Medienanalyse, sowie die gezielte Schulung von MitarbeiterInnen aus anderen Programmlinien und Projekten, die sich ebenfalls der Methode der Inhaltsanalyse annehmen. Dazu kam es u.a. im Februar 2007 in Zürich für MitarbeiterInnen aus Wien und Gießen, sowie im November 2007 in Wien für KorrespondentInnen aus dem Border-Projekt.